KW 41   09.10 - 15.10

Montag 9.10
Der letzte Tag in Plattsburg, weil es morgen in aller Fruehe weitergeht. Doch dieser Tag war der Ernte von Sojabohnen gewidmet. Ich hatte die Gelegenheit  fuer ein paar Stunden auf einer Erntemaschine mitzufahren.
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Mit 9m (30 feet) Schnittbreite geht es zur Ernte der Sojabohnen.In diesem Jahr ist die Ernte ausgesprochen gut, der Ertrag pro Acre ist viel  hoeher als letztes Jahr. Alle Daten ueber Ertrag pro Acre, Menge der Ernte wird electronisch erfasst, die Flaeche ueber GPS  berechnet. Ein solches Erntegeraet (Combine) kostet locker 250.000 Euro.

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Das sind die Sojabohnen, die gleich geerntet werden.

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Der Blick aus der klimatisierten Kabine. Die Ernte ist vom Wetter abhaengig, so sind 10-14 Stunden Ernte pro Tag nicht ungewoehnlich.

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Die Sojabohnen( kleine gelbe Kugeln) werde in der Erntemaschine gesammelt , um dann im Sammelfahrzeug abgeladen zu werden.

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Es fliesst wie Gold in den Lastwagen.
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Bill wird noch etliche Runden drehen, bis es dunkel und zu feucht wird. Er wird noch etliche Tonnen Sojabohnen ernten.
Auf der Fahrt haben wir uns praechtig unterhalten.  In der Kabine merkt man nichts von Staub , Hitze und Laerm.

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Auch meine Gastgeberin fuhr eine Rund mit.

Es war wirklich beeindruckend. In wenigen Wochen muss das Geld fuer das Jahr verdient werden- und die Abhaengigkeit vom Wetter besteht trotz aller Technik. Wenn nicht gerade Erntezeit ist, ist Bill ein treuer Besucher der Gottesdienste und ein aktives Gemeindemitglied. Ich konnte ihm viel von dem ueber die Kirche in Deutschland erzaehlen, was er am Sonntag nicht hoeren konnte (Gutes Wetter = Ernteeinsatz).
 

10. Oktober  bis 14. Oktober
Ich bin jetzt  wieder in Louisville angekommen und versuche in den naechsten Stunden (es ist hier gerade 16.20) die Erlebnisse der letzten Tage in Ohio zusammenzufassen. Da gab es wieder viel Neues zu erleben und zu sehen. Bringen wir es in eine Reihenfolge:
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Skyline von Columbus, der Hauptstadt Ohios

Am 10.Oktober erfolgte ein sehr frueher Aufbruch in Plattsburg, denn in Applecreek (suedlich von Wooster) war eine Versammlung von UCC Pastoren.Sie
begann um 9.00 Uhr  und es waren gut ueber zwei Stunden Fahrt dorthin. Auf dieser Versammlung war auch Mark anwesend, mein naechster Gastgeber . Mark hatte mich vor 6 Jahren besucht und ich hatte ihn eine Woche lang in der Gemeinde Scharnhorst herumgefuehrt. Er hatte nun im Gegenzug ein ausfuehrliches Programm fuer die  4 Tage erarbeitet.
Auf dem Pastorentreffen stellte ein Mann sein Arbeit als Freiwilliger im "Desaster Response" Programm der  UCC in New Orleans vor. Ich kann den Vortrag hier nicht wiedergeben, aber es ist erstaunlich , wie viele Menschen sich freiwillig engagieren, ihre Zeit und auch teilweise ihr Geld zur Verfuegung stellen. Wenn auch die Gemeinden z.B die Fahrtkosten tragen, so tragen die Volunteers (Freiwillige)  ihre eigenen Verpflegungskosten.  Da liegt eine grosse Staerke der Amerikaner, sich fuer ihr Gemeinwesen  einzusetzen. Dieser freiwillige Einsatz wird schon in der Schule gelernt.
Es flgte eine erste Besuchstour. Als erstes wurde in KIDRON  Lehmans Kaufhaus besucht. Dieses Kaufhaus hat sich auf Dinge spezialisiert, die ohne Strom betrieben werden koennen. Viele Kunden sind Amish people , die den Einsatz von Strom ablehnen. (Spaeter mehr dazu)

lehmans
www.lehmans.com :hier gibt es den Katalog in virtueller Form.

lehmans
Lehman's im Amish Country, Ohio.
Artikel
Fuer das Sortiment ist Lehmans seit Jahrzehnten bekannt.

Wenn man das Angebot bei Lehmans sieht und mit dem Angebot im Baumarkt vergleicht, so sind viele Dinge gleich- nur dass in unseren Baumaerkten viel mehr elektrische Werkzeuge etc angeboten werden. Doch wenn man mal darueber nachdenkt , wie abhaengig wir vom Strom sind, dann erscheint ein Gaskuehlschrank, eine Petroleumlampe oder ein Holzofen gar nicht verkehrt.  Der ploetzliche Wintereinbruch(12.10.2006) am Eriesee und besonders in Dortmunds Partnerstadt Buffalo, durch den ueber 200.000 Menschen fuer laengere Zeit ohne Strom waren, macht diese Abhaengigkeit deutlich.


Frewillige
Namensschilder für Freiwillige im Thrift Shop der Mennoniten. Sie sortieren die Waren, reparieren sie, bringen sie in den Verkaufsraum, verkaufen sie, beraten die Kunden. Der Shop bringt grosse Ertraege fuer die Arbeit der Mennonitischen Kirche.

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In diesem Shop wird gebrauchte Kleidung etc zu sehr guenstigen Preisen abgegeben. (Aehnlich Jacke wie Hose in Dortmund)
Da das Gebäude dem Shop gehoert, fallen nur Betriebskosten an.  So koennen fast 90% der Erloese an die Mennonitische Kirche weitergeleitet werden.

Mittwoch 11.Oktober
Am Mittwoch stand der Besuch von Cleveland an. Ein weiterer Bekannter hatte einen Besuch im Nationalen Buero der UCC  angemeldet. Nach der ausfuehrlichen Fuehrung durch das Haus besuchten wir in Cleveland verschiedene Kirchen der UCC.  Ich habe reichlich Informationsmaterial mitgenommen, auch Papiere und eine DVD zur Disskussion um die gleichgeschlechtliche Eheschliesung (Gay Marriage), eines der zur Zeit heissesten Themata in der UCC.

Am spaeten Nachmittag erfolgte dann eine ausfuehrlich Reflexion in einem franzoesischen Restaurant, die sich bis in den Abend hinzog. Das war Slowfood im Gegensatz zum sehr verbreiteten Fastfood.
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Das Nationale Buero ist vor einigen Jahren von NewYork nach Cleveland gezogen. Es ist in einen ehemaligen Gebaeude einer Telefongesellschaft untergebracht.
700 Prospect Avenue, East, Cleveland,Ohio 44115-1100

brunnnen
Im Eingang zur Kapelle ist ein Brunnen aufgestellt. Wasser spielt in allen Religionen  eine besondere Rolle, das weist auf eine besondere oekumenische  Ausrichtung der UCC hin.
Die Wellen des Wassers setzen sich im Boden fort -so verbreitet sich die gute Nachricht wellenfoermig im Haus, in der Stadt, im Land und in der Welt.

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Die Kapelle ist im Erdgeschoss untergebracht, sie ist benannt nach dem Sklavenschiff "La Amistad". Das Holz  ist  das gleich wie von dem Nachbau, die Beine des Tisches sind Schiffsrudern nachempfunden.

"Die „La Amistad“ (spanisch: Die Freundschaft) war ein spanisches Sklavenhändlerschiff, auf dem 1839 bei einer Rebellion nahe Kuba nahezu die gesamte Mannschaft, bis auf zwei Menschen, durch entkommene westafrikanische Gefangene getötet wurde. Nach langen Gerichtsverhandlungen (Amistad-Prozesse) konnten die Afrikaner in ihre Heimat zurückkehren.
Der gleichnamige Film aus dem Jahre 1997 von Steven Spielberg arbeitet die historischen Begebenheiten auf.
In Mystic, Connecticut wurde 2000 ein originalgetreuer Nachbau der Amistad vom Stapel gelassen. An Bord des Schiffes in dessen Heimathafen New Haven, Connecticut, also der Ort der erstinstanzlichen Gerichtsverhandlung, werden Schulkinder heute über Bürgerrechte, Sklaverei und Rassendiskriminierung aufgeklärt." (Informationen aus WIKIPEDIA)

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Cleveland - Das Gebaeude der UCC in der Mitte (dunkel). Cleveland liegt am Erie-See. Wer denkt da nicht an John Maynard ? (siehe Projekt Gutenberg, Theodor Fontane, Gedichte)

Avon Lake
Eine neu gebaute UCC Kirche in Avon Lake, die alte Kirche hatte nur 200 Sitzplaetze und war zu klein geworden. Die neue Kirche hat 400 Plaetze.


Donnerstag 12.Oktober
Heute wurde das  "Amish Country" besucht. Es heisst so, weil dort sehr viele Amischen leben.(Informationen darueber in Wikipedia)  Das Leben der  Amischen  folgt besonderen Regeln.  Moderne Technik wird zum grossen Teil abgelehnt, besonders die Elektrizitaet. Kleidung ist fuer alle gleich schlicht. Viele der Amishen arbeiten in der Landwirtschaft.
Die Feldarbeit erfolgt mit Pferden, ebenso die Fortbewegung. Der Buggy, der schwarze Wagen von einen Pferd gehoert zum Strassenbild dazu.
buggy


aus
Besuch bei David Kline, Bischof der Amischen,  Herausgeber des Magazine Farming (www.farmingmagazine.net), Buchautor (Great Possesions, An Amish Farmer's Journal)
und ein sehr netter Gespraechspartner. Ein Bild von ihm gibt es nicht- die Amischen lassen sich nicht fotografieren.
kline
Die Familie hat eine Farm und betreibt oekologische Landwirtschaft.


windrad
Das traditionelle Windrad zum Wasserpumpen.


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Auktion von Landprodukten - ich weiss jetzt gar nicht mehr, wieviel Paletten Kuerbisse ich gekauft habe- abwarten was geliefert wird. Dabei habe ich nur gewinkt.

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Besuch der Pferdeauktion in Mount Hope, Parkplatz fuer Buggies
auktion
Die Maenner mit der blauen Arbeitskleidung und den Hueten sind die Amishen. Sie kaufen hier ihre Pferde fuer die Feldarbeit. Eine Amish Farm solll nur so gross sein, das sie mit  einem Pferd bearbeitet werden kann.


Mittagessen im "Der Dutchman" in Walnut Creek (ein amishes Restaurant mit einer fantastischen Ausicht , sie erinnert ein wenig an das Sauerland)
Ich noch nie erlebt, dass sich eine Schlange vor einem Restaurant gebildet hatte. Es dauerte einige Zeit bis wir hineinkonnten und zu einem Tisch gefuehrt wurden. An diesem Tag war es sehr kalt geworden, sogar ein paar Schneeflocken fielen. Aber es war nicht so viel wie am naechsten Tag in Buffalo. Dort fielen 60cm Schnee. Die Stadt wurde voelllig unvorbereitet vom Winter getroffen. Die Stromversorgung brach zusammen- die Abhaengigkeit vom Strom trat wiedereinmal deutlich zu Tage. Da kann man von den Amishen viel lernen.
view
Blick vom Dutchman in das Land - ein Foto kann das nur sehr schwer wiedergeben.

behalt
Besuch des 
Mennonite Information Center in Berlin,Ohio "Behalt" (www.behalt.com). Dort wird die Geschichte der Mennoniten und der Amishen auf einem großen Rundgemaelde (Cyclorama) dargestellt.
schule
Blick in eine Einraumschule.

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Der Buggy im normalen Verkehr.

schild
Leider sind solche Schilder und andere Hinweise notwendig, es habe sich schlimme Unfaelle zwischen Buggies und Autos ereignet.

Da treffen  Kulturen aufeinander. Da wird  etwas "Vergangenes" bewahrt und man naehert sich nur zoegernd dem "Neuen". Da fuehrt die Stromversorgung, Telefonleitung am Haus vorbei und wird nicht benutzt.  Man moechte sich nchit abhaengig machen.
Die Autos werden gebremst von einem Buggy, der nicht ueberholt werden kann.  Ein Telefon wird von den Amischen nicht im Haus geduldet, deshalb
stehen kleine Telefonhaeuschen am Rande der Siedlung mit einem Telefon.  Das sind behutsame Kompromisse, um zu ueberleben.



Freitag 13.Oktober
Am diesem Tag  erfolgte der Besuch des Museums des besten Schnitzers der Welt , Ernest "Mooney" Warther.
warther

Er lernte aus einen Stueck Holz mit 10 Schnitten eine bewegliche Zange zu schnitzen. Das verfeinerte er immer mehr.
zangen
Sein Meisterwerk waren 511 bewegliche Zangen aus einem Stueck Holz zu schnitzen. Er benoetigte dazu  31.000 Schnitte.
Baum
Sie lassen sich zu einem Stueck Holz zusammenfalten. (Dahinter steckt ein bestimmtes mathematisches Modell : Jede Zange hat zwei Enden und es gibt 9  Ebenen in dem Baum aus Zangen.(2^0 bis 2^8) das ergibt zusammen 511. Bei Digitalern klingelt es jetzt. Probiert es mal auf einen Blatt Papier  aus und zaehlt nach

lok
Mooney hatte  eine besondere Leidenschaft fuer die Dampflokomotiven . Er baute sie  massstabsgerecht und detailgetreu nach. Zurerst aus Holz und Knochen, spaeter dann aus Ebenholz und Elfenbein. Die Maschinen drehen sich naturgetreu und haben noch keine Reparatur benoetigt. (Im Gegensatz zu manch modernen Geraeten, wie der Enkel bei der Fuehrungen bemerkte)
lok
Ein Modell besteht aus bis zu 7200 Teilen, die alle aus Holz oder Elfenbein
handgeschnitzt  sind.
Warthers stellen auch heute noch hochwertige Messer her, die ueber das Internet bestellt werden koennen.
          www.warthers.com
Dort gibt es auch weitere Bilder und Informationen.

knopf
Seine Frau sammelte Knoepfe.....

swiss

Der Rueckweg  erfolgte durch Sugarcreek "einem Stueck Schweiz  in den USA".


Samstag 14.Oktober
Rueckfahrt von Wooster, Ohio nach Louisville, Kentucky (ca.300 Miles/480 km). Wunderbares Wetter ließ die Fahrt wie im Flug vergehen. Mark und Ellie fuhren zurueck nach Cincinnati, um dann Sonntag nach Wooster zurueckzufahren.


Sonntag 15.Oktober
Gottesdienst mit Taufe. Das Taufbecken wird vor die Stufen gestellt. Pastor Bob erklaert den Kindern die Taufe.
taufe


Brooklawn -  A Home for Children
brooklawn

Besuch des German Dinner in Brooklawn (www.brooklawn.net) Mit Rouladen, Rotkohl, gruenen Bohnen und Nudeln wurde an die deutschen Wurzeln gedacht. Verschiedene Kirchengemeinden und viele Einzelpersonen unterstuetzen diese Einrichtung.
dinner
Brooklawn ist ein deutsches potestantisches Waisenhaus, das vor ueber 150 Jahren gegruendet wurde, genau im Jahr 1851 unter der Leitung von Pastor Karl Ludwig Daubert.  Er war  Pastor von St. Pauls - Deutsche Evangelische Kirche in Louisville.

Das letzte Drittel beginnt ! Weiter gehts mit Woche #42.

kw41  15.10.2006
rev 25.3.2007